...

So, what would Wittgenstein say about the caricatures of Mohammed? Formulating this in terms of semantic scepticism, he would stipulate on the drawings and say the following: this is not a prophet! (there is a line drawn by crayons). This is point 1. Now, the point 2 says “a situation is conceivable”, which means: we can make images of him. (Tractatus 3001). The logical reversal thus is: we cannot think of what we can’t picture. If we can’t imagine God in at least a logical world, he cannot exist, because existence is perfection. So, who has negative led to the ontological (and logical) proof of God when they say you cannot draw an image of God, the God's warriors are.

Die Andere

Wir sind viele und niemand zugleich. Wenn ich lese, was ich vor über einem Jahr geschrieben habe, lese ich über eine Fremde. Nicht über eine Unbekannte. Ich kann mich gut an mich erinnern. Das Beschriebene kommt mir bekannt vor, aber die Sprache ist mir fremd. Es ist, als würde jemand anderer erzählt haben, der zufällig meine Geschichte kennt Der zufällig an den selben Orten meiner Geschehnisse war. Der meine Wege gegangen ist. Erlebt und gefühlt hat wie ich.

Ich schaue hinter mich, zurück auf die Frau, die ich vor drei Jahren war. Ich könnte sie beschreiben, weil ich nicht mehr als sie schreibe. Aber ich verspüre keinerlei Bedürfnis, über sie zu berichten, denn die Art, wie sie sich selbst das Liebste ihrer Betrachtungen war, ist mir nun fremd. Sie hat versäumt, ihre Geschichte selbst zu erzählen. Jetzt ist es zu spät. Weder sie noch ich können es tun.
Ich werde mir etwas einfallen lassen müssen. Vielleicht werde ich jemanden erfinden. Eine Andere, die ihr in jeder Hinsicht ähnelt, aber doch so verschieden ist, dass ihre Empfindungen zugleich auch die jeder Anderen sein könnten.

Was aber heißt das:

Eine Sprache finden.
Sich selbst zur Sprache bringen.
Man könnte es auch als Alchemismus bezeichnen: Der Alchemismus der Poesie. Wie sich die Worte verdichten. Wie sich unsere Sprache ausformt zu einem hintergehbaren Bericht über das Befinden unserer inneren Provinzen...

Pessoa mahnt

"Selbst wenn wir wissen, dass ein nie zustande kommendes Werk schlecht sein wird, ein nie begonnenes ist noch schlechter!"

Hochbegabt

Die beste Note in meinem Leben ist
die Selbstzensur.

Im Inkubator

Ich schreibe ja! sagte ich dem Freund gestern am Telefon, als er mich ein wenig vorwurfsvoll an mein Weblog erinnerte. Ich schreibe, aber es kommt derzeit alles auf Papier. Notizen, Tagebuch, Gedichte, Romanfragmente, ich habe 3 voll beschriebene Bücher auf dem Schreibtisch liegen, unzählige Blätter und einen halben Zeichenblock mit Skizzen! sagte ich. Ich bin in der Inkubationsphase. Ich brüte!
Wir lachten, weil das Wort "brüten" uns beide an etwas erinnerte, was ich bisher eben nicht getan.
Aber ja, so vieles ist derzeit in Arbeit. Im Mai soll das neue Liederprogramm auf die Bühne kommen. Es wächst und wächst und mir hoffentlich nicht über den Kopf. Anfangs war es als kleines Programm mit Stücken von Schumann, Schubert und Brahms gedacht, aber meine Gedanken über das Thema sprengen die Gattung, sprengen das Lied, und ich lande immer wieder bei Texten und Szenen, also wird es um einen Sprecher erweitert, der die Texte übernimmt. Wenn ich mutig genug bin, dann auch 2, 3 Gedichte von mir. Sie würden so gut passen, diese Apokalypserln. Das Wort habe ich seit der Lesung von ANH hier in Wien im Kopf, es ist so sehr österreichisch: Apokalypserl. Karl Kraus nannte Österreich ja auch einmal die Probebühne für den Weltuntergang. Das kann ich gut verstehen. Immerhin habe ich hier vor 3 Jahren meinen eigenen geprobt.
In ARGO ANDERSWELT gäbe es, so A. Trojan, der durch die Lesung in der ALTEN SCHMIEDE führte, viele dieser Apokalypserln. Aber je länger ich darin lese, desto mehr begreife ich dieses Buch als eine einzige Liebeserklärung an das Leben. Ich widerstehe der Versuchung, ungefähr einmal pro Absatz ins Glossar zu schauen. Man kann ANH ohnehin nicht lückenlos begreifen. Vielleicht schreibe ich demnächst noch mehr davon ins Tagebuch, denn das Lesen dieses Romans ist ein SEIN im Spannungsfeld von Assimilation und Akkomodation, und darin wiederum dem wirklichen Leben nicht ganz unähnlich. Gilt es doch immer wieder neu zu entscheiden, was ausgebrütet und was sterben gelassen wird.

Da Sie gefragt haben

Es verändert sich mit dem Augenblick da man zu fragen beginnt. Ich könnte auch sagen, jedes Unglück fängt mit einer Frage an. Davor ist alles Unschuld. Kindliches Vorspiel im Paradies, aus dem Sie mit der ersten Frage heraustreten und zugleich den Fuß in ein großes Unglück setzen. Denn jede Antwort, so werden Sie bemerken, erzeugt in Ihnen neues Nichtwissen. Angesichts der Unmöglichkeit, jemals wieder in Ihr Paradies des Nichtwissens zurückzukehren, werden Sie eines Tages von einer großen Müdigkeit befallen, welche Sie nie mehr verlassen wird.

Schlaflos

Es ist drei Uhr morgens. Ich hatte einen Traum, der war ganz leer. Es kam niemand darin vor. Nicht einmal du.

Ich konnte in die schwarze Nacht sehen. Sie ist atemberaubend schön, soviel kann ich sagen.

Derrida fragt

Woraus wird Morgen gemacht sein?

Komm, wir legen uns schwarze Binden vor die Augen und drehen uns im Kreis!

Wunderbares Theater

Post von Pippin I. Ich weiß nicht, was ich schöner finden soll, den Umschlag, das Geschriebene oder die Zeichnung, die er mitschickt. Alles ist wunderschön.

Im wirklichen Leben Leben heißt Pippin Helmut Brade, ist ein bekannter Plakatkünstler und Bühnenbildner von Peter Konwitschny. Er lebt in Halle a. d. Saale, nicht weit entfernt von meiner Heimatstadt. Letzte Woche war er drei Tage hier in Wien, wo wir gemeinsam die Museen der Stadt durchstreiften, wobei ich viel lernte über Rudolf II, Manierismus, Cellini und Arcimboldo und über "echtes" Theater. Er erzählte Geschichten über Japan, irrwitzige Begebenheiten bei Opernproben und auch von einer Reise nach Georgien im Jahr 2003. Ich bat ihn, mir die Aufzeichnungen zu schicken.

Eine Geschichte fand ich besonders schön, weil sie von einem Theater handelt, wie man es heute kaum mehr erlebt.

"...eine Probe im Puppentheater von Reso Gabriadse. Auch der kleine Zuschauerraum hängt voller Plakate. Das Portal besteht aus verschiedenen großen Fächern, wie bei einem aufrecht stehenden Setzkasten, die mit Requisiten und Kuriositäten, wahrscheinlich vergangener Inszenierungen, ausgefüllt sind.

Geprobt wird die Wiederaufnahme von "Die Schlacht von Stalingrad". Was wir sehen sind poetische Szenen, die auf einer schwarzen Bühne von sichtbaren Puppenführern auf einer Art Tisch vorgeführt werden. Text und Musik kommen über Ton. Eine lange Reise wird dargestellt, indem auf zwei sich drehenden Tellern Masten, Häuser und andere liebenswerte plastische Versatzstücke aufgestellt und wieder herunter genommen werden. In einem Fluss, der mit einer Spirale dargestellt ist, die von Hand geleiert wird, badet ein Mädchen. Als es aus dem Wasser kommt, klopft es mit dem Finger (der Puppenführerin) die Nässe aus den Ohren. Ein Esel wird erschossen. Ein Engel kommt auf einer Leiter vom Himmel. Ein Soldat an der Front erlebt, wie seine Braut heiratet. Die Kriegsmaschinerie wird zu Schostakowitschs Musik mit nicht enden wollenden Schlangen von Munitionskisten gezeigt. Hinten werden immer wieder die Kisten zugestellt, die vorne frei werden.Wunderbares Theater."

Aus: GEORGIEN, ein Reisetagebuch. Helmut Brade, Halle a. d. Saale

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Zuflucht

In meinem Herzen nisten die Männer
wie hungrige Löwen vor den Toren
einer gottverlassenen Stadt.

Vom Nichts das nicht nichts ist.

"Ah, was Sie nicht sagen!"

"Aber ich hab doch noch gar nichts gesagt..."

"Na eben!"

Kapitel 7

"Und schwindelt nicht das Auge meines Geistes
Noch stets hinunter in den jähen Trichter
Der Zeit? - Zeit, was heißt dieses Wort?"


Wir hatten uns aus den Augen verloren, und ich hatte die Hoffnung bereits aufgeben, sie noch einmal wiederzusehen. Bis sie plötzlich eines Tages vor mir stand.
Ihre frühere Blässe war einem zartbraunen Teint gewichen, und aus ihren Augen strahlten Klahrheit und ein Wissen, das mich befremdete.
Sie war fröhlich geworden.

Ich suchte nach Spuren ihrer früheren Verweigerung, fragte dieses und jenes, aber auf alles gab sie mir bereitwillig und offen Antwort. Das verwirrte mich, und ich fragte, ob wir uns nicht in ein Café begeben wollten. Ich verspürte große Lust, sie auszufragen, in sie einzudringen und das Geheimnis dieser verstörenden Fröhlichkeit zu erfahren.

Sie fuhr sich mit der Hand durch das Haar, warf den Kopf nach hinten und lachte ein so schrecklich schönes Lachen, dass es mir einen Stich versetzte. Dann hakte sie ihren schlanken Arm unter meinen, steckte die Hand in meine Manteltasche und zog mich, die ich unsicher neben ihr mehr stolperte als ging, in eben jenes Café, in welchem wir uns vor zwei Jahren das letzte Mal trafen.
Damals hatte sie begonnen, mir ihre Geschichte zu erzählen. Bis zu jenem Tag, als ich ihr sagte, dass es nun genug sei. Dass ich nichts mehr hören wolle über sie und ihr Leben, dass es schon nicht mehr ihre Geschichte sei, die sie da erzähle, sondern zugleich auch meine eigene.

Ob sie jetzt, da wir uns auf so glücklichen Zufall wieder getroffen hätten, nicht weiter erzählen wolle, fragte ich sie.
Sie hätte während der letzten beiden Jahre mehrmals mit mir gesprochen, sagte sie. Genau genommen hätte sie niemals aufgehört mit mir zu reden, es müsse wohl an mir liegen, dass ich nichts mehr von ihr vernommen habe. Gerne könne sie fortfahren, sie müsse aber darum bitten, dass ich mich nicht wieder hinreißen ließe, mich selbst durch sie zu betrachten. So würde es ihr leichter fallen, von sich zu reden.

Ich versprach es ihr.

Einfach so

Wenn man an einem Sommerabend auf einer Wiese mitten in Wien sitzen und der Sonne zusehen kann wie sie langsam untergeht, dann überkommt einen schon mal das Glück. Man rechnet eigentlich nicht damit, und man muss aufpassen, dass man nicht überschnappt.

In quietschendem Bogen fährt ziemlich nah an mir eine Straßenbahn vorbei, aus der die Fahrgäste zu mir herüber und über mich hinweg in die Fenster der Wohnblocks hinter mir schauen. Vielleicht werden sie in ein paar Minuten dort zu Hause sein, werden ihre Kinder begrüßen und sich einen Kaffee machen, werden miteinander streiten. Oder sich lieben.

Ein paar Meter entfernt setzt sich ein junger Mann auf die Wiese. Er hat seinen Hund dabei, einen schwarzen Mischlingswelpen. Zärtlich klemmt er ihn sich zwischen die Beine und beginnt ihn mit einer Bürste zu striegeln.

Plötzlich will ich hinübergehen und mich zu ihnen legen. Einfach so.
Am Horizont versinkt wie eine riesige Blutorange die Sonne und färbt den Himmel über uns in ein unfassbares Rot.

Der rote Faden

Man begegnet sich immer wieder. Das ist vielleicht die einzige Gewissheit, die man neben dem Tod haben kann: Man entkommt sich nicht.

Schleierhaft

Ich ziehe meine Liebe hinter mir her wie eine Braut ihren Schleier, den sie nicht abnimmt
seit dem Tag ihrer Hochzeit, welche nie stattfand.

Hinter mir welken die Jahre.


BEITRÄGE

Die Andere
Wir sind viele und...
Terpsichore - 29. Nov, 10:28
...
So, what would Wittgenstein...
Terpsichore - 17. Jan, 09:39
"Lettre du voyant" muss...
"Lettre du voyant" muss es richtig heißen. Die...
il re di nevrosi (Gast) - 6. Sep, 19:30
Rimbaud
"Car JE est un autre." (Lettre de la clairvoyance)
il re di nevrosi (Gast) - 6. Sep, 14:55
Vielleicht ist das so....
Vielleicht ist das so. Vielleicht kommt es bei einer...
Terpsichore - 22. Aug, 10:22


Das Weblog TERPSICHORE wird vom Deutschen Literaturarchiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts zugänglich gemacht. Mitschreibende erklären sich einverstanden.


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Zuletzt aktualisiert: 29. Nov, 10:30