Auf der sicheren Seite
war ich immer.
Auf die sichere Seite
wollte ich immer.
Sicher vor Krankheit,
vor Unfall und Keimen,
vor Armut und Tod...
Auch vor der Liebe.
Wenn ich jetzt mich hin-
und aufgeben will,
weil ich muss:
Das Samtige da gibt
leichter nach, es wehrt
dem Drängen nicht.
All meine Wünsche
aber, mein Fühlen,
auch Ängste und Schmerzen,
davon zu sagen ist
ungleich schwerer
als öffnen den Leib.
Ein Anderes haben wir dann.
Nichts Sicheres – niemals!
Doch etwas, das uns
verbunden sein lässt
über alle Gefahren hinaus.
Soviel ist sicher.
Terpsichore - 23. Aug, 13:53
"Hier ist der Baum, o König, den du meinst,
Den meine Schwester manche Nacht besucht;
Das Haupt anlehnend, pflegt sie dann zu schlummern."
Sie liebte das Dunkel, und die Nacht war ihre Verbündete, denn nur innerhalb des Dunkels, das sich wie ein weicher Mantel schützend um ihren Körper legte, konnte sie so etwas wie Geborgenheit empfinden. Nie schloss sie von selbst die Augen, wenn die Nacht hereinbrach. So gewöhnten sie sich langsam an das Dunkel im Zimmer, und mit der Zeit lernte sie, die feinen Umrisse so genau wahrzunehmen, dass sie, wenn sie nachts durch ihr Zimmer ging, dies mit einer Sicherheit tat, die ihr tagsüber gänzlich fehlte.
Während andere Kinder die Dunkelheit mieden, ja sogar Angst vor ihr hatten, begab sie sich bei jeder möglichen Gelegenheit in dieselbe. So wurde das Kind desöfteren in einem staubigen Kohlenkeller oder einem Holzschuppen gefunden, nachdem man stundenlang nach ihm gesucht hatte. Und weil man nicht glauben wollte, dass es sich selbst darin eingesperrt hatte, das Kind aber keine Auskunft geben wollte oder konnte, wie es da hineingelangt war, vermutete man bald einen bösen Streich anderer Kinder und stellte es unter besondere Aufsicht. So hineingestellt in eine ihm fremde Landschaft mit anderen Körpern verbüßte es die Tage im Licht und wartete sehnsüchtig darauf, dass es dunkel wurde.
Ob sie sich je gefragt habe, warum sie dieses seltsame Wesen an den Tag legte.
Sie wüsste darüber nichts zu sagen. Sie wüsste nur, dass jenes Gefühl einer immerwährenden möglichen Zerstörbarkeit, welches sie bei Tag zwischen all den Menschen, Dingen und Geräuschen befiel, zu ihr gehöre, seit sie eine Erinnerung an sich selbst habe.
Als wir das Café verließen, war es bereits dunkel geworden, und während ich angestrengt zu Boden schaute, um mit meinen Absätzen nicht zwischen das Kopfsteinpflaster zu geraten, lief sie leicht und sicheren Schrittes neben mir.
Terpsichore - 20. Aug, 19:43
Er drehte sich zu mir.
Ich sah seinen Leib
von Striemen durchzogen
mit Nadeln zerstochen.
Sein Augenweh schoss mir
ins Blut.
Ich gab ihm zu trinken.
In gierigen Schlucken
soff er das Wasser.
Sein schmutziger Bart
hing darinnen.
Wer bist du?
Ich streichelte ihm das
rostbraune Fell, es hing
so in Fetzen, im Kot lag sein
Schweif, der einst prächtig
gewesen sein musste. -
Was tut ihr?
So sei es geboten
zu handeln an Feinden!
An allem, was schlecht und
verderbt sei. - Ich aber fragte:
Seht ihr denn nicht,
dass es weint?
Und selber begann ich
verzweifelt zu weinen, ob
niemand denn käme zu helfen?
Und flehte und bat keinen Gott
um Erwachen!
Wo war ich?
Terpsichore - 19. Aug, 20:58
Und der
dümmste der
Helden war
Sisyphos, der
wieder und
wieder und
wieder und
wieder und
wieder und
wieder und
wieder und
aber ich will Sie da nicht mit reinziehn.
Terpsichore - 16. Aug, 13:36
Gestern Nacht 3 Stunden an einem Gedicht geschrieben. Gefeilt, gelötet, geschliffen. Dann, es war schon fast perfekt, die falsche Taste erwischt. Alles futsch. Natürlich keine copy. Wer kopiert schon den Mist zwischendurch. Nö, jetzt nicht nochmal, denke ich. Weg ist weg. Aber wo ist weg eigentlich? Stelle mir vor, wie irgendjemand meine im Universum verlorenengegangen Verse aus Versehen in sein Hirni bekommt und sie wiederkäuend rezitiert. Hoffentlich ist es jemand, der dialektfrei spricht. Vermute aber mal, die Chancen stehen schlecht hier in Thüringen.
Terpsichore - 13. Aug, 17:19
manchmal da
strömt sie so
über von menschen-
liebe liebt alles
und jeden kann
lächeln dem mann
der ihr fische
verkauft dass er weint
dann wieder will sie
sein gegen
jeden und alles
aufbegehren
will sie und weint
weil sie
nicht weiß wie
ist das - zu töten
schreien will sie
verletzen mit worten
wie stahl die grenzen
gezüchteter sprache
aus anstand schlagen
die köpfe vom
hässlichen leib
und lachen
aber an einem
anderen tag da
legt sie ihr haupt das
gesicht zu boden
der leib gebunden
die hände von sicherer
hand zu finden -
seltsam - erlösung
alles ist himmel!
(für anna, deren verlinkung noch nicht so richtig klappen will, deshalb hier:
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/montag-3-august-2009/
Terpsichore - 7. Aug, 13:44
Ich habe gewartet auf den Augenblick, da ich wieder anschließen kann an Terpsichores Tagebuch von vor 2 Jahren. Aber es gibt ihn nicht. Vielleicht, weil es die Frau von damals nicht mehr gibt. Es ist, als halte ich ein Seil mit zwei losen Enden in den Händen und versuche verzweifelt einen Knoten zu binden. Das aber gelingt nicht. Es würde keine wirkliche Verknüpfung geben, es wäre eine Bruchstelle, eine Schweißnaht, so unsauber und roh, dass kein Handwerker sie würde durchgehen lassen.
Heute las ich in der Dschungel im Tagebuch der Anna H.
hier:
http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/montag-3-august-2009/
die dort schreibt, ohne Schreiberin zu sein, wie sie sagt. So ein Scheusein war darin, eine Zartheit, wie sie versuchte, sich zu rechtfertigen, dass ich sie am liebsten in den Arm genommen und gesagt hätte: Schreib doch! Egal. ALLE hier sind Masochisten in gewisser Weise, die meisten wissen es nur nicht. Sie würde schreiben, so sagte sie, um die Uneindeutigkeit des Menschen zu zeigen.
Ich stelle mir gerade eine Eindeutigkeit im Sein vor. Das heißt ich versuche es. Gelingt mir aber nicht. Ich frage mich, wie sich jemand fühlt, der eindeutig ist. Für mich liegt die Eindeutigkeit in meiner Vieldeutigkeit, was ja mehrdeutig ist. Zum Glück. Der Einzige, der das vielleicht bedauern könnte, ist mein Therapeut. Da fällt mir ein, ich könnte mit ihm mal über MEINEN Masochismus sprechen. Das wiederum würde mich als ausgemachte Sadistin ausweisen. Da haben wir es. Ich bin eindeutig mehrdeutig!
Terpsichore - 3. Aug, 17:53
wenn das meer
sich zurückzieht
manchmal da
blecken die nassen
klippen die zähne
triumph! – ha
dass sie
gestohlen
das blutende
fleisch vom
rücken der
leiber die -
eben noch
liebend - in
sand sich gegraben
nicht achtend
dass tieferes lauert
Terpsichore - 2. Aug, 15:48
Gutes menschliches Leben besteht nicht so sehr in dem Erreichen von Zielen als vielmehr in dem Versuch, die eigenen Leidenschaften am Leben zu halten.
Deshalb eröffne ich heute mein eigenes Weblog.
Es hat die Farbe Rosa. Das ist nicht ganz unwichtig, wie ich finde.
Es wird viele Leser vermuten lassen, ich sei blond.
Das macht nichts.
Hier kann man auch als Kommentator
Schreiben.
Dichten.
Fragen.
Antworten.
Austauschen.
Streiten.
Auch Weinen.
Auf einem weißen, unbeschriebenen Blatt.
Ohne Vorgaben. Ohne Regeln.
Außer einer:
Wer Terpsichore nachmacht oder verfälscht, oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird bestraft.
Wie, das überlege ich mir, wenn es so weit ist.
Terpsichore
Terpsichore - 31. Jul, 18:31